1Welch eine Saat von goldnen Aehren
2Durchwandl' ich dunkle Nachtgestalt,
3Die schaudernd ihre Häupter kehren
4Vor meinem Athem rauh und kalt?
5Ich bin so fremd auf diesen Auen
6Und wohl aus einem andern Land,
7Und möchte da mich helle schauen,
8Doch bleib' ich mir so unbekannt.
9Trüb glänzt von meinem grauen Kleide
10Der Saum in dieser Flämmlein Schein;
11Sie feiern ruhig ew'ge Freude,
12Da zieh' ich störend mitten ein.
13Ich darf nicht frei und sicher gehen,
14Bald führt mich eine leise Hand,
15Bald reißt es mich mit Sturmeswehen,
16Und faßt mein flatterndes Gewand.
17Und mir begegnen dunkle Brüder,
18Stumm, grau und willenlos wie ich,
19Sie schlagen fremd die Wimpern nieder,
20Und ziehen hin, als flöhn sie mich.
21Wenn schüchtern dann mein Blick sich hebet,
22So fahren Flammen wild heraus,
23Und will ich sprechen, so erbebet
24Vor meinem Ton das fremde Haus.
25Wo bin ich Arme denn geboren,
26Wo wird man liebend mich empfahn?
27Ich blick', in ihr Gebiet verloren,
28Fremd diese hohe Schönheit an.
29Doch winkt aus wunderbarer Tiefe
30Mir nicht ein mild Erbarmen zu,
31Als ob mir eine Mutter riefe,
32Mich lüd' an ihre Brust zur Ruh?
33Wie ist mir? Wehmut löst in Thränen
34Hell meine graue Nachtgestalt,
35Hinab, hinab zieht all mein Sehnen
36Versöhnend heilige Gewalt.« –